Der April ist ein recht seltsamer Monat. Er beginnt mit dem ersten April und endet mit dem Hexenbrennen – dem Hexensabbat oder schwarzen Sabbat. Er endet mit einem heidnischen Ritual voller Schwelgerei und Orgien, das der Satan selbst leitet. Wie bezeichnend, wenn wir uns bewusst machen, dass gleich am folgenden Tag der Mai, der Monat der Fruchtbarkeit und der Liebe beginnt. Zum Schmunzeln, wäre da nicht die Tatsache, dass die Hexenphantasiererei (der an eine Massenpsychose grenzende Massenwahn) zwischen den Jahren 1484 – 1728 über 300 tausend menschliche Opfer gefordert hat.
Der Ursprung des Wortes Sabbat soll angeblich von der lateinischen Form des hebräischen Worts Schabbat (Ruhetag) abgeleitet sein. Im mittelalterlichen Europa wurde der Schabbat aber zu einer Kennzeichnung für alle nichtchristlichen Feiertage. Also auch für den erdachten „Feiertag der Hexen“, der vorsätzlich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai an einem geheimen, abgelegenen und öden Ort stattfand. Warum gerade in dieser Nacht? Der Hauptgrund war das immer noch lebendige ursprüngliche keltische Frühjahrsfest Beltane, erst später als Walpurgisnacht oder Philip- und Jakobsnacht bezeichnet. Dieser Brauch hing wahrscheinlich auch mit dem heidnischen Brauch der Morena-Prozession zusammen. Kurzum, an diesem Abend entzündeten unsere Vorfahren zum Schutz vor bösen Geistern und Dämonen (Hexen sind erst eine Erfindung der Inquisitionsprozesse) heilige Feuer an erhöhten und aus großer Entfernung gut sichtbaren Orten. Dies war eine schöne Tradition, besonders wenn am Abend des 30. April die Verliebten in die Wälder aufbrachen, wo sie auf die Mitternacht und das Eintreffen des 1. Mai, des Feiertags der Liebesspiele warteten. Von dieser Tradition blieb uns wenigstens der schöne Brauch des Küssens am 1. Mai unter einem blühenden Baum erhalten.
Wie bereits gesagt wurde, machten die Inquisitionsprozesse aus den Schutz- und Reinigungsfeuern „Hexenverbrennungen“ – Sabbats. Gestatten Sie mir, zur besseren Veranschaulichung, dieses Ritual mit heutigen Worten zu beschreiben. Hexen (Punkerinnen) kamen zum Meeting auf Besen (siehe Harry Potter) oder auf mit einem „Zaubergel“ eingeriebenen Gegenständen, ggf. auf ihrem Assistenten geflogen, den ihnen der Firmenchef – der Teufel widmete. Dieser saß dem an Halloween erinnernden Meeting in Gestalt eines Ziegenmenschen auch vor. Die Arbeitnehmerinnen legten ihm zunächst ihre Jahresberichte über ihre Tätigkeit vor und dann liefen Auswahlverfahren neuer Kandidatinnen in Badekleidung wie auch ohne diese. Es folgte eine Verkostung von Homöopathika, die allmählich in eine laute Technoparty voller Gesang, Tanz und Sprünge ins und über das Feuer überging. Alles wurde dann mit einem großen Gruppensex abgeschlossen.
Heute ist das Hexenbrennen ein Fest, an dem sich die Menschen am lodernden Feuern, ungeachtet des Glaubens oder Nichtglaubens vor allem der Unterhaltung wegen treffen. Die Kinder lieben es, die Jugend genießt es, die mittlere Generation steht das durch und trinkt einen und die älteste verfolgt interessiert, was geschieht. Kurzum, jeder kommt auf seine Kosten und immer ist es lohnenswert. Ich bitte Sie nur im Interesse der Reinhaltung der tschechischen Tradition: auf den Kopf unserer Hexe gehört ein Tuch, auf den amerikanischen ein spitzer Hut. Ebenso wie bei uns das Christkind kommt, und nicht Santa Claus.
-lgs-
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