Historische Dachstühle – eine Besonderheit der Stadt Cheb

12.03.2017 | 17:45
Historische Dachstühle – eine Besonderheit der Stadt Cheb

Die Stadt Cheb (Eger) liegt im äußersten Westen Tschechiens, am Fluss Eger. Ihr historisches Zentrum prägt die Stadt und und es gibt versteckte Geheimnisse, die eine ausführliche Erwähnung wirklich verdienen. Die Egerer Dachstühle stammen aus der Zeit des Hochmittelalters bis zur 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der städtische Stiftungsfonds entstand mit der Idee, die Denkmäler in Eger und im Egerland zu bewahren und zu erneuern. Acht vollendete Projekte in der Bilanz des Fonds – unter ihnen die Wiederherstellung der Türme der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Eger – stellen einen Beweis für die aktive Wirkung des Fonds dar. Die Entdeckung der historischen Dachstühle erweitert den Aufgabenbereich des Fonds. Das vom Verwaltungsrat des Stiftungsfonds, in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde, dem Nationalinstitut für Denkmalpflege und weiteren Organisationen vorbereitete Projekt präsentiert 6 Aktivitäten, die für das Jahr 2017 geplant sind (Herausgabe einer Fachpublikation, Eröffnung einer Besuchertrasse, Präsentation einer Dauerausstellung, Zugang der Bildungsprogramme für Schulen und Öffentlichkeit, Veranstalten einer Sommerschule für Studenten der Fachschulen und Vorbereitung zur Eingabe der Anmeldung in den Wettbewerb EUROPA NOSTRA).

Auf Initiative von Angestellten des Stadtamts Eger und von Vertretern des Nationalinstituts für Denkmalpflege in Loket führte man die Untersuchung der historischen Dachstühle der Häuser durch, die den Marktplatz umgeben und im Besitz der Stadt sind. Obwohl man – dank der Stadtgeschichte und der Gestalt der mehrstöckigen Patrizierhäuser – eine Möglichkeit zur Erhaltung von historischen Dachkonstruktionen voraussetzte, haben die erworbenen Erkenntnisse alle Erwartungen weit übertroffen. Es ist gelungen, mindestens 12 mittelalterliche Dachstühle, 20 aus der Zeit der Renaissance und des Barocks und mehr als 20 Werke aus späterer Zeit zu identifizieren. Mehrere unter ihnen stellen die ältesten Vertreter dieses Typs in Tschechien dar. Interessant ist z. B. die jüngst erfolgte Feststellung, dass die Dachstühle der Häuser der ganzen östlichen Hälfte des Stöckls, die bislang allgemein für neuzeitlich gehalten waren, in der spätmittelalterlichen Gestalt erhalten sind. In keiner anderen Stadt Tschechiens ist ein so mannigfaltiges und dazu noch kompaktes Ensemble an historischen Dachstühlen erhalten. Der Denkmalwert eines Dachstuhls wird durch sein Alter, den Erhaltungszustand und die Seltenheit seines Vorhandenseins bestimmt. Das dokumentierte Ensemble der Patrizierhäuser-Dachstühle ordnet Eger in dieser Kategorie vor alle anderen historischen Städte Tschechiens ein und bedeutet sogar eine der Spitzenpositionen innerhalb von ganz Europa.

Ab Mai 2017 bietet die Stadt Eger die Möglichkeit zur Besichtigung der historischen Dachstühle an.

Die ältesten Dachstühle der Patrizierhäuser in Eger stammen schon aus dem letzten Drittel des 14. Jhs. Man fi ndet sie auf den Häusern Nr. 3 und 506, an der Ostseite des Marktplatzes. Ihre Konstruktionen bestehen aus „Bindergespärren“, aus einem Paar schräger, in 3 Höhen mittels waagerechter Kehlbalken verbundener Sparren, die auf traditionelle Fügungsart, das einseitige Schwalbenschwanzblatt, verbunden sind. Die beiden Dachstühle sind die ältesten Beispiele von Kehlbalkendachstühlen in ganz Tschechien.

Eine der zahlreichsten und wertvollsten Ensembles bilden die spätmittelalterlichen Konstruktionen. Man findet sie sowohl in der überraschend subtilen Gestalt und der sorgfältigen handwerklichen Ausführung bei den ältesten Beispielen vom Anfang des 15. Jhs., als auch in der massiveren und häufiger erscheinenden Gestalt mit der sorgfältigen zimmerhandwerklichen Ausführung bei den Dachstühlen der 1470er und 1480er Jahre. Solche Konstruktionen bilden in einzelnen Ebenen außerordentlich geräumige, in mehreren Fällen noch mit Dielenböden versehene Material – und Warenlagerräume. Eine große Überraschung bedeutet die Authentizität aller Dachstühle der ganzen östlichen Hälfte des Egerer Stöckls mit einfachen, stehenden Stühlen an den Seiten, auf gleicher Höhe, die kurz nach 1450 datiert sind.

Die Renaissancedachstühle charakterisiert eine Änderung der Erfassung des Entwerfens der räumlich gebundenen, gezimmerten Konstruktionen von den quer überschneidenden flachen Rahmen zu den Primär-Raumkonstruktionen in Verbindung mit dem Erscheinen des sog. liegenden Stuhls.

Die revolutionäre Umwandlung im Entwerfen der Dachkonstruktionen erfolgte in Eger bereits schon am Anfang des 17. Jhs., als die als frühbarockzeitig zu bezeichnenden Dachstühle erschienen. Man findet sie besonders in 2 Häusern Nr. 492 und 493 an der Nordseite des Rings, die den schon reifen barocken liegenden Stuhl sogar in 2 Höhen übereinander haben. Der ganze Innenraum dieser Dächer in allen Höhen ist frei für jede beliebige Verwendung. Die Datierung des Dachstuhls Nr. 492 durch das Fälljahr 1603/1604 bestätigt ihn als die älteste Konstruktion dieses Typs in Tschechien.

Wie unermesslich progressiv dieser Typ von Dachstühlen war, das belegen mehr als ein Jahrhundert später die Konstruktionen der hochbarocken liegenden Stühle, die sich größtenteils nur in Details unterscheiden. Die insgesamt 10 Konstruktionen stellen ein sehr wertvolles Ensemble dar, das die Verwendung von reifen liegenden Stühlen in einer, zwei oder sogar drei übereinanderliegenden Ebenen belegt. Die großen, bis über 20 m reichenden Spannweiten erzwangen den wiederholten Einbau stehender Stühle in verschiedenen Höhen und Gestalten. Interessant ist das häufi ge Aufkommen der Verzierung der Balken oder der Reste nach den Dachausbauten.

Die spätbarocken Konstruktionen zeichnen sich durch das Bemühen um Vereinfachung der Längsbindung des liegenden Stuhls und um das Ersetzen der Binderbalken in den Binnengespärren durch ein System von Stich – und Wechselbalken aus. Als tragender Grund dient in der unteren Ebene der späte liegende Stuhl auch zum Tragen des Mansardendachs im Eckhaus Nr. 490 zwischen dem Ring und der Kamenná-Gasse.

Man begegnet in insgesamt 12 Fällen aus der Zeit nach 1800 einer breiten Palette verschiedener Dachstuhltypen. Die Varianten der liegenden Stühle überleben, und man registriert eine Rückkehr von verschiedenen Gestalten der stehenden Stühle. Im Allgemeinen sind die Konstruktionen einfacher, subtiler. Zugleich wird auch die Dachhöhe niedriger, wodurch die geometrische Figur des ganzen Daches mit niedrigerer Neigung und weniger auffälliger Masse sich gesetzmäßig ändert.

Ein einzigartiges Ensemble stellen 10 Dachstühle aus der Zeit nach 1945, aus der Periode der Assanierung des historischen Stadtkerns von Eger in den Jahren 1950–1967. Es handelt sich oft um massive Pfettenkonstruktionen, die die durch Zwischengiebel bestimmte Masse der ursprünglichen Dächer berücksichtigen mussten. Sie wurden als gut durchdachte qualitätsvolle Baumeisterkonstruktionen entworfen und sorgfältig zimmerhandwerklich ausgeführt; obwohl zeitgenössische Techniken des Maschinensägeholzes und der Verbindungselemente in Gestalt der Gewindebolzen angewendet wurden. Daher haben sie einen hohen Denkmal – und bautechnischen Wert. Es handelt sich typologisch um Pfettenkonstruktionen.

NFHCH (Stiftungsfonds Historisches Eger)
nám. Krále Jiřího z Poděbrad 14, 350 02 Cheb
 
Tourist-Infozentrum
Jateční 2, 350 02 Cheb
Tel.: + 420 354 440 302



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